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Zwischen Forschungstakt und Industrietempo

Das Center Integrated Business Applications (CIBA) arbeitet an Antworten für die produzierende Industrie. Beim CBA Aachen 2026 wird mit den Teilnehmenden über Ansätze, Ideen und Forschungsergebnisse diskutiert.

Bis ein Forschungsprojekt aufgesetzt ist, sind es meistens sechs bis neun Monate, und dann dauert das Projekt selbst noch ein bis zwei Jahre. Das ist zu langsam für die Geschwindigkeit, die wir für die Industrie sehen.

Antoine Gaillard / Centerleiter Center Integrated Business Applications

Antoine Gaillard leitet seit dem 1. Mai das Center Integrated Business Applications (CIBA). Er beschreibt damit kein Detailproblem, sondern die Grundfrage, an der sich die Arbeit des Centers entscheidet: Wie lässt sich anwendungsnahe Forschung so organisieren, dass sie mit dem Tempo der produzierenden Industrie Schritt hält? Diese Frage steht auch im Zentrum des CBA Aachen, den das CIBA am 16. und 17. Juni 2026 gemeinsam mit dem FIR an der RWTH Aachen auf dem Campus Melaten ausrichtet.

Was die Industrie aktuell umtreibt

Drei Themen prägen die Gespräche, die Gaillard mit Mitgliedsunternehmen führt. Das erste ist der Einsatz von KI-Agenten. „Jeder kann KI-Agenten aufbauen, jeder kann sie integrieren. Die Frage aus der Industrie ist: Wie binden wir die in unsere IT-Systemlandschaft ein, damit das keine abgekapselte Lösung bleibt?“ Es geht um Governance, um Architektur, um die Rollen, die Unternehmen dafür neu definieren müssen. Das zweite Thema ist der Umgang mit implizitem Wissen – mit dem Erfahrungsschatz von Produktionsplanerinnen und -planern, der durch den demografischen Wandel zu verschwinden droht, bevor er weitergegeben werden kann. Eng damit verbunden ist die Frage nach belastbarem Change-Management in Digitalisierungsprojekten. Hinzu kommt als drittes Feld der Digitale Produktpass, die im Rahmen der EU-Ökodesign-Verordnung ab 2027 schrittweise verpflichtende digitale Dokumentation von Produktdaten wie Materialien, Herkunft und Reparierbarkeit. Das Thema hat das CIBA gemeinsam mit dem Center Data Integrated in Operations (DIO) in den vergangenen zwei Jahren stark beschäftigt.

Wie das Center darauf reagiert

Damit diese Themen nicht im üblichen Förderzeitrahmen versanden, arbeitet das CIBA anders als ein klassisches Forschungsprojekt. Das Center definiert mit seiner Community strategische Themen und arbeitet in Konsortien gemeinsam mit Partnerunternehmen an Lösungen. Ergänzt wird das durch eigene Werkzeuge: Für das Thema Change-Management hat das CIBA einen Werkzeugkasten in Form eines Tools entwickelt, in dem Unternehmen die Phase ihres Digitalisierungsprojekts und ihre Herausforderungen eintragen können – das Tool schlägt daraufhin passende Maßnahmen vor. Parallel holt das Center gezielt externe Impulse ins Haus, von Unternehmen, die Lösungswege oder eigene Best Practices vorstellen. „Wir wollen den Blick über den eigenen Tellerrand fördern und gleichzeitig direkt in die Umsetzung kommen“, sagt Gaillard. Genau an dieser Schnittstelle setzt der Kongress an.

Der CBA als neutrale Bühne

Der CBA Aachen ist herstellerneutral angelegt – ein Punkt, auf den Gaillard Wert legt: „Wir sind nicht an SAP oder eine andere Lösung gebunden. Andere Veranstaltungen werden oft von IT-Anbietern genutzt, um eigene Kunden anzusprechen. Wir sind komplett unabhängig davon.“

Der erste Eventtag ist von konkreten Workshops geprägt, in denen Teilnehmende Fragestellungen einbringen und Ergebnisse mit zurück in ihre Unternehmen nehmen können. Am zweiten Tag findet die Fachtagung statt und öffnet in kurzen Getting-Involved-Sessions Raum für vertiefende Diskussionen, in die das Center auch eigene Forschungsergebnisse einbringt. Der Anspruch reicht über die beiden Tage hinaus. „Wir wollen eine Plattform sein, auf der sich Leute treffen, kennenlernen und dann weiter zusammenarbeiten.“ Inhaltlich stehen Praxisberichte zu modularen IT-Systemlandschaften und der Einsatz von ERP-, MES-, APS- und IoT-Lösungen in industriellen Transformationsprojekten im Mittelpunkt.

Talkrunde beim CBA 2025

Erstmals wird im Rahmen des Kongresses der „CIBA Success Story of the Year“-Award verliehen. Sechs Unternehmen sind in den drei Kategorien AI-Driven Solutions, Transform the Business sowie Empower People and Processes nominiert. Eine unabhängige Jury aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden unter Vorsitz vom Geschäftsführer des FIR, Prof. Wolfgang Boos, entschied Anfang Juni, die Preisverleihung findet am 17. Juni im Rahmen des CBA Aachen statt.

Worum es im Kern geht

Hinter all dem steht für Gaillard ein größerer Anspruch. Es gehe nicht nur darum, einzelne Projekte abzuschließen und abzuhaken. „Wir wollen europäische Unternehmen befähigen, sich zukunftsfähig zu machen und sich mit den richtigen Partnern zu umringen, um den Weltmarkt beeinflussen zu können.“ Für das CIBA ist der CBA Aachen der Ort, an dem diese Arbeit für anderthalb Tage öffentlich wird. Und an dem sich entscheidet, welche Themen in der Center-Community in den kommenden Monaten Tempo aufnehmen.

Infos, Vernetzung, Tickets

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